Bambus ist eines der faszinierendsten Baumaterialien der Welt: leicht, extrem zugfest, schnell nachwachsend und in tropischen Regionen seit Jahrtausenden im Einsatz. Doch in Mitteleuropa fristet er ein Nischendasein. Das wollen wir ändern.

Im Sommersemester 2025 startete an der HTWG Konstanz die Pilotaktion Bauen mit Bambus — geleitet von Prof. Stefan Krötsch vom Fachgebiet Tragkonstruktionen, in Zusammenarbeit mit der Zimmerei Holzbau Schmäh in Meersburg.

Fachgespräch in der Holzbauwerkstatt beim Projekt Bauen mit Bambus, Meersburg
Fachgespräch in der Werkstatt: Handwerk und Hochschule im Dialog (Meersburg)

Warum Bambus?

Bambus wächst bis zu einem Meter pro Tag, bindet große Mengen CO₂ und erreicht seine volle Festigkeit innerhalb weniger Jahre. Seine Zugfestigkeit übertrifft die von Baustahl — bei einem Bruchteil des Gewichts. In Ländern wie Kolumbien, Indonesien oder Indien ist Bambus längst ein etabliertes Konstruktionsmaterial. Der kolumbianische Architekt Simón Vélez hat mit seinen spektakulären Bambusbauten weltweit Maßstäbe gesetzt.

Für die europäische Bauwirtschaft eröffnet Bambus neue Perspektiven — insbesondere im Leichtbau, bei temporären Strukturen und im Bereich nachhaltiger Materialkreisläufe.

Theorie und Praxis in der Werkstatt

Die Pilotaktion verband Entwurf und Konstruktion: Studierende der Architektur entwickelten zunächst Tragwerkskonzepte mit Bambus, bevor sie in der Werkstatt der Zimmerei Schmäh in Meersburg die Verbindungstechniken praktisch erprobten. Denn genau hier liegt die Herausforderung — Bambus ist ein Naturmaterial mit variablen Querschnitten und Eigenschaften. Jede Verbindung verlangt handwerkliches Verständnis.

Das Zusammenspiel von Theorie am Whiteboard und Praxis in der Werkstatt machte diese Pilotaktion zu einem Musterbeispiel für den Walz-4.0-Ansatz: Lernen dort, wo unterschiedliche Expertisen zusammenkommen.

Ausblick

Die Erfahrungen aus der ersten Bambusveranstaltung fließen in die Weiterentwicklung des Formats ein. Geplant ist, das Thema in weiteren Semestern zu vertiefen — mit dem Ziel, eine tragfähige Bambusstruktur zu realisieren, die als sichtbares Zeichen nachhaltigen Bauens am Bodensee stehen kann.

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Avatar von Prof. Dr.-Ing. Michael Bühler

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