Vom 19. bis 21. Februar 2026 fand am Freisitz Tobel-Tägerschen im Thurgau eine besondere Pilotaktion statt: Unsere Kalkwerkstatt brachte Teilnehmende aus Denkmalpflege, Handwerk und Hochschule zusammen, um mit einem der ältesten Baustoffe der Welt zu arbeiten – dem Kalk.
Der historische Freisitz, ein geschütztes Baudenkmal in der idyllischen Thurgauer Landschaft, bot den idealen Rahmen für diesen dreitägigen Workshop. Organisiert wurde die Veranstaltung in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalstiftung Thurgau, dem Kalkwerk Verein Schweiz und der HTWG Konstanz.
Verputzen, Streichen, Restaurieren – Praxis am historischen Objekt
Unter der fachkundigen Leitung von Reto Kradolfer und Wolfgang Himmel lernten die Teilnehmenden das Handwerk von Grund auf kennen. Im Mittelpunkt standen drei praktische Kernkompetenzen:
- Verputzen: Das fachgerechte Aufbringen von Kalkputz auf historischen Untergründen – von der Oberflächenvorbereitung bis zum finalen Glattauftrag.
- Kalkstreichen: Traditionelle Kalkfarben herstellen und auftragen, mit Einblick in natürliche Pigmentierung und historische Rezepturen.
- Restaurieren: Schadhafte Putzflächen analysieren, ergänzen und behutsam angleichen, ohne den historischen Charakter zu verfälschen.
Kalk ist nicht nur ein Material – er ist ein Zeuge der Baugeschichte. Wer mit Kalk arbeitet, tritt in einen Dialog mit den Handwerkern vergangener Jahrhunderte. Dieses Bewusstsein prägte die gesamte Werkstatt.
Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Was uns an dieser Pilotaktion besonders wichtig war: Wir verstehen Denkmalpflege nicht als museale Konservierung, sondern als lebendiges Handwerk. Kalk erlebt heute eine Renaissance – nicht nur in der Restaurierung historischer Gebäude, sondern auch im modernen Bauwesen. Seine Dampfdurchlässigkeit, seine antimikrobielle Wirkung und seine natürliche Herkunft machen ihn zu einem Material, das die Anforderungen nachhaltigen Bauens erfüllt.
Die Kalkwerkstatt am Freisitz Tobel-Tägerschen war damit mehr als ein historischer Rückblick – sie war ein Plädoyer für eine Baukultur, die Wissen bewahrt, weitergibt und für die Zukunft nutzbar macht.




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