Das erste Jahr von Walz 4.0 liegt hinter uns – und was für ein Jahr es war. Seit April 2025 arbeiten zehn Partnerorganisationen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein gemeinsam daran, das traditionelle Handwerk der Holzbaukunst ins 21. Jahrhundert zu tragen. Gefördert durch das Interreg VI-Programm mit knapp fünf Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie aus Schweizer und Liechtensteiner Mitteln, haben wir in diesem ersten Jahr nicht nur Grundlagen gelegt, sondern bereits tatkräftig angepackt.

Handwerk zum Anfassen: Die Gitterschale an der HTWG Konstanz

Studierende bauen gemeinsam eine Gitterschale aus Holz — Pilotaktion Walz 4.0 an der HTWG Konstanz, Januar 2026
Pilotaktion: Bau einer Gitterschale, HTWG Konstanz (Januar 2026)

Der wohl sichtbarste Beweis dafür, was Walz 4.0 bedeutet, entstand im Januar 2026 in der Werkstatt der Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung: eine Gitterschale aus Holz, gebaut von Studierenden mit eigenen Händen.

Was nach einer schlichten Beschreibung klingt, war in Wirklichkeit ein eindrucksvolles Erlebnis. Über dreißig Fotos und Videos dokumentieren, wie junge Menschen gemeinsam Holzverbindungen platzierten, justierten und sicherten – Stück für Stück, Verbindung für Verbindung. Die fertige Konstruktion ist mehr als ein geometrisches Kunststück: Sie ist der Beweis, dass komplexes Holzbauhandwerk erlernbar, greifbar und faszinierend ist.

Diese Pilotaktion steht stellvertretend für den Kern unseres Projekts. Walz 4.0 bringt Hochschule und Handwerk zusammen – nicht als Theorie, sondern als gelebte Praxis. Wenn Studierende an der HTWG gemeinsam mit Fachleuten aus dem Handwerk an einem realen Bauteil arbeiten, entsteht etwas, das kein Lehrbuch ersetzen kann: echtes Können, echtes Vertrauen in die eigenen Hände, echte Begeisterung für das Material Holz.

Neun Pilotaktionen – ein gemeinsamer Weg

Gitterschale aus Holz in der Werkstatt — Pilotaktion Walz 4.0 an der HTWG Konstanz, Januar 2026
Gitterschale-Konstruktion, HTWG Konstanz (Januar 2026)

Die Gitterschale war nur eine von mehr als neun dokumentierten Pilotaktionen, die wir im ersten Projektjahr durchgeführt haben. Unsere Partner – darunter die Denkmalstiftung Thurgau, die ZHAW Winterthur, die Handwerkskammer Konstanz, die FHV Dornbirn, die OTH Regensburg, die Wirtschaftskammer Vorarlberg, die Universität Liechtenstein und die OST St. Gallen – haben in ihren jeweiligen Regionen und mit ihren jeweiligen Schwerpunkten eigene Formate entwickelt und erprobt.

Ob in der Lehrwerkstatt, im Seminarraum oder auf der Baustelle: Überall stand dasselbe Ziel im Mittelpunkt. Wir wollen zeigen, dass traditionelles Wissen und moderne Ausbildung kein Widerspruch sind – und dass der Bodenseeraum mit seinen vier Ländern ein ideales Labor dafür ist.

Jede Pilotaktion hat uns Erkenntnisse gebracht: Welche Formate funktionieren? Wo liegen die Hürden für Betriebe und Hochschulen? Was begeistert junge Menschen, was schreckt sie ab? Diese Fragen beantworten wir nicht am Schreibtisch, sondern in der Praxis – und das macht Walz 4.0 zu dem, was es ist.

Was kommt als Nächstes

Das zweite Projektjahr beginnt mit vollem Schwung. Wir werden die bisherigen Pilotaktionen auswerten, die gewonnenen Erkenntnisse in die Weiterentwicklung unserer Formate einfließen lassen und neue Erprobungsfelder erschließen. Dabei rücken zunehmend auch die Themen Digitalisierung, Dokumentation und überregionaler Wissenstransfer in den Fokus.

Bis Juli 2028 haben wir noch viel vor – und sind sicher, dass die besten Kapitel dieser Geschichte noch geschrieben werden.

Mitmachen und mitgestalten

Walz 4.0 lebt von Begegnung, von Offenheit und von Menschen, die etwas bewegen wollen. Wenn Sie ein Handwerksbetrieb, eine Bildungseinrichtung oder eine Organisation im Bodenseeraum sind und sich vorstellen können, Teil dieses Netzwerks zu werden, freuen wir uns über Ihre Nachricht.

Wir suchen Partner, die ihre Erfahrungen einbringen, neue Formate mitgestalten und gemeinsam mit uns daran arbeiten, Holzbauhandwerk zukunftsfähig zu machen. Werden Sie Teil von Walz 4.0 – denn dieses Projekt gelingt nur gemeinsam.

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Avatar von Prof. Dr.-Ing. Michael Bühler

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